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Resilienz bei Arbeitslosen?

Resilienz bei Arbeitslosen?

Die meisten Armuts- oder Niedrigeinkommenshaushalte sind in unterschiedlichster Art und Weise auf Hilfen zur Sicherung des Unterhalts angewiesen. Viele Haushalte, die Unterstützungsleistungen aus sozialen Mindestsicherungssystemen beziehen, beklagen, dass ihre finanziellen Ressourcen extrem knapp sind – insbesondere ab der Monatsmitte, dass ihnen jegliche Rücklagen für Eventualitäten fehlen und dass sie ohne Geld nur schwer am sozialen und kulturellen Leben teilhaben können. Andere Haushalte berichten annähernd das Gleiche, beziehen dennoch keine oder weniger Hilfen.
Wie bekommen das die Gruppe der zuletzt Genannten hin? Sie verfügen offenbar über ein weites Spektrum von gegenseitig substituierbaren, miteinander verwobenen und vielfältig nützlichen Praktiken und Ressourcen, dank derer sie Teile ihres Lebensunterhalts aus unterschiedlichen Quellen bestreiten können. Ihnen ist bspw. die Verfügbarkeit von sogenannten Gemeingütern sehr wichtig. Sie verfügen über die Fähigkeit mit Krisen umzugehen und haben, bzw. suchen sich darüber hinaus einen Zugang zu bestimmten sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Ressourcen. Bildung, Wissen, praktische Fertigkeiten und bestimmte Werte wie Familie, Solidarität und gegenseitige Hilfe als kulturelle Ressource, sind in dieser Gruppe deutlicher ausgeprägt. Das Haushaltsbudget stark entlastende Möglichkeiten, wie bspw. ein Nutzgarten, werden produktiv genutzt.
Zudem verfügen solche Menschen über vielfältigere und belastbarere Netzwerke. Manche dieser Ressourcen sind privat erworben oder zustande gekommen. Bei anderen handelt es sich um Gemeingüter, die proaktiv genutzt werden. Wiederum andere Ressourcen sind zwar privat, aber dennoch ohne Gemeingüter nicht denkbar. Dazu gehört bspw. Bildung. Sie gehört denen, die sie erworben haben, produziert wird sie jedoch im öffentlichen Bildungssystem.
In dieser Gruppe lebt auch der „soziale Tausch“ von Gütern und Unterstützungsleistungen, bei dem eine unbestimmte soziale Verpflichtung zu einer Gegenleistung entsteht, als Investition in eine persönliche Beziehung. Deutlich wird, dass verschiedene Gemeingüter im Leben dieser Menschen eine zentrale Rolle spielen: Kollektivgüter und Netzwerke, die über Gruppen- oder lokale Zugehörigkeiten zugänglich sind, niedrigschwellige wohlfahrtsstaatliche und karitative Beratungs- und Unterstützungsangebote, öffentlicher Personenverkehr und ein niedrigschwelliger Zugang zu Informations- und Bildungsangeboten. Sie sind – von wenigen Ausnahmen abgesehen – sozial integriert und respektiert, das Risiko der sozialen Isolation ist bei ihnen gering.
Ein Fazit daraus: Aus all diesen Gründen sollten wir den Gemeingütern und der sozialen Infrastruktur eine höhere Aufmerksamkeit bei der Bekämpfung von Armut und der Abfederung von Krisen schenken als bisher – wohlverstanden: nicht anstatt, sondern im Zusammenwirken mit direkten Sozialtransfers.

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